Inspiration für die Zukunft

Es ging bereits mit viel Inspiration los. Wenn auch eher sachlich und schlicht vorgetragen, der Inhalt hatte es in sich. Auf jeden Fall wurde da was beschrieben, das Bern noch nicht kennt. Fernando von der Basisgewerkschaft unter_bau aus Frankfurt erzählte, wie er und seine Gewerkschaft in Deutschland Uni-Mitarbeitende vernetzen, sie organisieren und diese sich so gegen prekäre Arbeitsbedingungen wehren können – zumindest manchmal.

Anregend auch der nächste Redner: Simon vom Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung Kritnet skizzierte eine Organisation, die es in Zeiten von Flüchtlingshetze mit Slogans wie «Solidarität statt Heimat» in die Mainstream-Medien schaffte. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dafür: Die Bündelung von Wissen und Expertise. «Aktivismus lässt sich mit Wissensproduktion verbinden», sagte Simon von Kritnet.

Derweil summte es im Treppenhaus sphärisch vor sich hin. Ob die Klanginstallation die aktuellen Mitwirkungsmöglichkeiten an der Universität Bern simulierte? Wer ein Anliegen in eines der Mikrofone sprach, der bekam es bald aus dutzenden Radios zu hören. Jedoch verzehrt, entstellt und manchmal auch seiner Botschaft beraubt.

Die mehr als 100 Teilnehmenden verteilten sich darauf auf die Workshops. Das Speeddating mit der Bildungsplattform Openki zeigte, wie viel Wissen in einer Gruppe vorhanden ist. Und: Dieses Wissen kann man sich gegenseitig beibringen, ohne dass dafür Geld fliessen muss.

Ist streiken überhaupt noch nötig, fragten sich die Teilnehmerinnen am Frauenstreik-Workshop. Ja, denn es gibt viele Probleme, gegen die Frau kämpfen möchte. Lohnungleichheit, Unvereinbarkeit von Beruf- und Karriere und die fehlende Wertschätzung von Kinderbetreuung sind nur drei Themen. Viele dieser Probleme zeigen sich auch an der Universität. Sei es nur in der Tatsache, dass es viel weniger Professorinnen als Professoren gibt. Grund genug, dass sich für den Frauenstreik nächstes Jahr neue motivierte Grüpplein gebildet haben.

Und wie kann man sich innerhalb und ausserhalb der Uni gegen Rassismus einsetzen? Um diese Frage drehte sich der Workshop von antira.org. Die erst wenige Monate alte Wissensplattform versucht, rassismuskritisches Wissen online zugänglich zu machen. Und hier kamen dann auch die Studis ins Spiel: Denn an der Uni produzieren wir eine ganze Menge an wertvollem Wissen, das aktivistisch genutzt werden könnte, stattdessen aber häufig in der Schublade landet: Warum nicht mal eine Seminararbeit über faschistische Gruppierungen in der Schweiz schreiben?

Merci allen die mitgeholfen haben. An der Bar und sonst. Danke auch dem Kollektiv «Bio für Alle», das Essen hat geschmeckt. Und wenn die Nacht bald vorüber ist, es geht weiter. Und zwar am 6. Dezember an der Jurastrasse 42 in Bern. Alle Bildungsinteressierten sind willkommen!

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Der ursprüngliche Einladungstext

Liebe Mitstudierende und Bildungsinteressierte

Die Hochschule ist heute mächtiger denn je: Noch nie gab es so viele Studierende. Und noch nie war die Wissenschaft so systemrelevant wie heute: Ohne Ingenieurinnen gäbe es keine Brücken, ohne Grafiker keine Werbung und ohne Ökonominnen keine Banken. Streikt die Hochschule, steht die Welt irgendwann still.

Deshalb gerät die Hochschule zunehmend unter ökonomischen Druck: Sie soll «geeignete und fähige« Arbeitskräfte liefern. Entsprechend nimmt der Druck auf die Studierenden zu.

Diese Entwicklungen müssen wir stoppen und für eine andere Hochschule kämpfen. Die andere Uni findet eigentlich bereits statt: An Küchentischen und auf Pausenhöfen, in Basisinitiativen und in selbstorganisierten Tutorien. Wir tragen die andere Uni in die bestehende Uni. Die zweite Nacht der Bildung am Donnerstag22. November 2018, soll dazu der Startschuss sein. Wir diskutieren über Aktivismus und Wissenschaft, Bildungsrevolte und Subversion. Und gründen ganz nebenbei unser eigenes Bildungsnetzwerk. Mit Workshops, Bar und Klanginstallation.

Wir freuen uns auf euch!

Warst du letztes Jahr auch schon dabei? Die zweite Ausgabe der Nacht der Bildung soll wieder ähnlich hoffnungsvoll und anregend werden. Dieses Jahr möchten wir jedoch stärker darauf fokussieren, wirklich etwas zu schaffen, das auch bleibt. Mehr erfährst unter Programm.

Bis zum Anlass gibt es noch einiges zu tun – und wir zählen auch auf deine Hilfe. Verspürst Du Lust, an der Bar mitzuarbeiten? Oder wärst du bereit ein paar Flyer zu verteilen? Wie mitmachen, erklären wir dir hier.

Es wäre super, wenn du auch all deine Bekannte, Freundinnen und Verwandte zur Nacht der Bildung einladen würdest. Auf Facebook oder indem du sie alle für unseren Newsletter (siehe unten auf der Seite) anmeldest. Wir haben auch Flyer gedruckt. Die kann man per Mail an info@nachtderbildung bestellen.